Das pädagogische Konzept
Grundlegende Prinzipien
Aus Steiners anthroposophischer Auffassung von der Dreigliedrigkeit des Menschen ergibt sich das Prinzip der gleichberechtigten Förderung der intellektuell-kognitiven „Denken“, der künstlerisch-kreativen „Fühlen“ und der handwerklich-praktischen „Wollen“ Fähigkeiten der Schüler.
Dies führt zu einem vergleichsweise großen Angebot an handwerklich-künstlerischen Fächern gegenüber den staatlichen Schulen, deren Konzeption von Waldorfpädagogen zumeist als einseitig intellektuell-kognitiv kritisiert wird. Des Weiteren soll aller Unterricht künstlerische Elemente enthalten. Die Erziehung selbst wird von Steiner zur Erziehungskunst erhoben.
Das Prinzip der rhythmischen Gliederung oder Ritualisierung von Unterrichts-, Tages-, Wochen- und Jahresverlauf sowie die intensive Ausgestaltung des Lernumfeldes bis in eine spezifische Schulhausarchitektur hinein ergeben sich aus dem anthroposophischen Ansatz. In diesem Zusammenhang stehen auch häufige Theateraufführungen (Klassenspiel: jeweils eine Klasse studiert mit allen Schülern ein Stück ein und bringt es mehrfach zur Aufführung), Schülerkonzerte (oft von Klassenorchestern), Monatsfeiern (der Schulöffentlichkeit werden regelmäßig Arbeitsergebnisse aus dem Unterricht vorgetragen), Schulfeste, der künstlerisch-praktische Unterricht und der Gartenbau.
ENTWICKLUNGSORIENTIERTER LEHRPLAN
Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und auf die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hin orientiert.
Der Lehrplan der Waldorfschulen ist kein festgelegter Katalog von Zielen und Themen. Der Lehrer ist die 'Repräsentation der Welt' für das Kind. 'Als Erkennender ist der Lehrer in der Lage, das jeweils Richtige an das Kind heranzutragen. Inhalte und Methoden werden nicht von der sachlichen Gliederung des Unterrichtsstoffes sondern vom Entwicklungsstadium der Schüler her bestimmt. Ob Stoff und Methode als altersgemäß einzustufen sind, wird einerseits vermittels der anthroposophischen Menschenkunde beurteilt und steht in der Entscheidung des Lehrers, der 'Lehrplan und Lehrziele von der menschlichen Wesenheit abliest'. Der Wegweiser ist also das Kind selbst. "Das Lesen im Wesen des Kindes ersetzt das Lesen eines Lehrplanes."
BILDHAFTER UNTERRICHT
In den ersten Schuljahren, in denen die eigene Urteilskraft der Schüler erst heranreift, ist „bildhafter“ Unterricht ein wesentliches Unterrichtsprinzip.
EPOCHENUNTERRICHT
Er wird in den Fächern durchgeführt, in denen Sachgebiete in sich geschlossen behandelt werden können (Deutsch, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften usw.). Gebiete, die laufender Übung bedürfen (künstlerischer Unterricht, Sport, Religion, Fremdsprachen vom 1. Schuljahr an usw.), werden in Fachstunden erteilt.
WISSENSCHAFTLICHER UNTERRICHT
Dem Streben nach eigener Lebensgestaltung und Urteilsbildung vom 14. Lebensjahr an entspricht der wissenschaftliche Charakter vieler Unterrichtsfächer vom 9. bis zum 12. Schuljahr. Hier sehen die Waldorfschulen ihre pädagogische Aufgabe nicht darin, eine voruniversitäre Ausbildung zu betreiben, sondern den Unterricht inhaltlich so zu vertiefen, dass er sich mit den Problemen des jungen Menschen verbinden kann und Antworten auf seine Lebensfragen gibt.



